PayPal & das Finanzamt 2026: Ab wann werden meine Daten gemeldet? (PStTG erklärt)

PayPal Finanzamt Meldung

Haben Sie dieses Jahr ein altes iPhone verkauft? Vielleicht ein paar Kleidungsstücke über eBay? Oder helfen Sie regelmäßig Freunden aus, indem Sie Konzerttickets weitergeben? Dann haben Sie sich vermutlich schon gefragt: „Kommt jetzt eine PayPal Finanzamt Meldung auf mich zu?“ Die Antwort ist weniger dramatisch, als viele befürchten – aber es gibt ein paar wichtige Details, die Sie kennen sollten.

Lassen Sie uns direkt mit dem größten Missverständnis aufräumen: Nur weil PayPal Ihre Daten an das Finanzamt meldet, heißt das nicht automatisch, dass Sie Steuern nachzahlen müssen. Die PayPal Finanzamt Meldung ist zunächst einmal nur eine Information. Ob daraus tatsächlich eine Steuerpflicht entsteht, hängt von völlig anderen Faktoren ab. Das Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG) sorgt seit 2024 für erhebliche Verwirrung – dabei ist die Grundidee eigentlich simpel: Der Gesetzgeber möchte verhindern, dass gewerbliche Händler sich als Privatverkäufer tarnen und so Steuern umgehen.

In diesem Artikel erkläre ich Ihnen ohne Behördendeutsch, wann PayPal tatsächlich meldet, was das für Sie bedeutet, und vor allem: wann Sie sich keine Sorgen machen müssen.

Die 2 Grenzen: 30 Verkäufe oder 2.000 Euro? (Der Faktencheck)

Das Plattformen-Steuertransparenzgesetz ist nach § 13 PStTG klar geregelt. PayPal ist verpflichtet, Ihre Daten an das Bundeszentralamt für Steuern zu melden, sobald Sie eine von zwei Schwellenwerten überschreiten. Wichtig: Es ist ein „Entweder-Oder“. Sie müssen nicht beide Grenzen überschreiten – eine reicht aus.

Grenze 1: 30 Transaktionen pro Jahr

Sobald Sie innerhalb eines Kalenderjahres 30 Zahlungen über „Waren & Dienstleistungen“ erhalten haben, wird PayPal aktiv. Dabei spielt der Betrag keine Rolle. Selbst wenn jede Transaktion nur 1 Euro beträgt, greift die Meldepflicht bei der 30. Zahlung. Das trifft beispielsweise Menschen, die regelmäßig kleine Artikel auf Flohmärkten oder über Kleinanzeigen-Plattformen verkaufen.

Grenze 2: 2.000 Euro Gesamtvolumen

Hier wird es interessant – und genau an dieser Stelle liegt eine Falle, die viele übersehen. Die 2.000-Euro-Grenze bezieht sich nicht auf Ihren Gewinn oder Nettoerlös, sondern auf das Bruttovolumen aller Zahlungen. Das bedeutet: Versandkosten, Gebühren und alle anderen Beträge, die über Ihr PayPal-Konto laufen, zählen mit.

Ein konkretes Beispiel: Sie verkaufen eine gebrauchte Kamera für 1.850 Euro. Der Käufer zahlt zusätzlich 200 Euro für den versicherten Versand. Ihr PayPal-Konto verzeichnet also insgesamt 2.050 Euro. Obwohl der eigentliche Verkaufspreis unter der Grenze lag, werden Ihre Daten gemeldet – weil das Gesamtvolumen die Schwelle überschritten hat.

Viele Verkäufer vergessen diese Versandkosten-Komponente und sind dann überrascht, wenn sie plötzlich eine Aufforderung von PayPal erhalten, ihre Steuer-Identifikationsnummer anzugeben. Die Versandkosten machen besonders bei Möbeln, Elektronik oder sperrigen Artikeln oft den entscheidenden Unterschied aus.

Mythos „Freunde & Familie“: Ein Schlupfloch?

Immer wieder höre ich die Frage: „Kann ich die Meldung umgehen, indem ich alles über ‚Freunde & Familie‘ abwickle?“ Die Antwort ist kompliziert – und riskanter, als viele denken.

Technisch gesehen werden Zahlungen über die „Freunde & Familie“-Funktion vom Reporting-Algorithmus zunächst ignoriert. Diese Zahlungen gelten nicht als kommerzielle Transaktionen und fließen nicht in die Berechnung der 30 Transaktionen oder 2.000 Euro ein. Soweit die Theorie.

Die Praxis sieht anders aus. PayPals Sicherheitssysteme sind mittlerweile sehr gut darin, ungewöhnliche Muster zu erkennen. Wenn Sie plötzlich 40 „Freunde & Familie“-Zahlungen im Monat erhalten, von verschiedenen Personen, mit ähnlichen Beträgen, dann wird das automatische Überwachungssystem Alarm schlagen. Das Ergebnis ist keine Steuermeldung – es ist schlimmer: Ihr Konto wird gesperrt oder dauerhaft eingeschränkt.

PayPal betrachtet die systematische Nutzung von „Freunde & Familie“ für kommerzielle Zwecke als Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen. Die Plattform verliert dadurch Gebühreneinnahmen und Sie verlieren im schlimmsten Fall den Käuferschutz und das Vertrauen Ihrer Kunden. Dazu kommt: Wenn das Finanzamt auf anderen Wegen (zum Beispiel durch Kontenabrufe) auf diese Transaktionen aufmerksam wird, haben Sie ein deutlich größeres Problem als eine reguläre Meldung.

Mein Rat aus sieben Jahren Beratungserfahrung: Nutzen Sie „Freunde & Familie“ nur für tatsächliche private Geldgeschenke oder Kostenteilungen. Für Verkäufe lohnt sich das Risiko einfach nicht.

Privatverkauf vs. Gewerblich: Wann muss ich wirklich zahlen?

Hier liegt der eigentliche Kern der Sache – und gleichzeitig die größte Beruhigung für die meisten Leser. Eine Meldung durch PayPal bedeutet nicht automatisch, dass Sie steuerpflichtig sind. Das Finanzamt interessiert sich nämlich nicht für die Meldung an sich, sondern für Ihre tatsächliche Verkaufsabsicht.

Die Dachboden-Regel (Flohmarkt-Regel)

Verkaufen Sie Gegenstände aus Ihrem Privatbesitz, die Sie selbst genutzt haben und die Sie jetzt nicht mehr brauchen? Herzlichen Glückwunsch – das ist in den allermeisten Fällen steuerfrei. Sie dürfen Ihren Haushalt entrümpeln, ohne dass das Finanzamt die Hand aufhält. Das gilt für Kleidung, Möbel, alte Spielkonsolen, Bücher, Sportgeräte und vieles mehr.

Entscheidend ist: Sie dürfen mit diesen Verkäufen keinen Gewinn machen. Wenn Sie ein Sofa vor fünf Jahren für 800 Euro gekauft und jetzt für 200 Euro verkauft haben, ist das eindeutig ein Verlustgeschäft. Keine Steuerpflicht. Selbst wenn PayPal Sie meldet, können Sie diese Verkäufe in Ihrer Steuererklärung einfach als „privater Haushaltsauflösung“ deklarieren.

Die Gewinn-Falle

Anders sieht es aus, wenn Sie gezielt mit Gewinnabsicht handeln. Das klassische Beispiel: Sie kaufen eine PlayStation 5 während eines Sales für 450 Euro und verkaufen sie drei Monate später für 650 Euro weiter. Das ist kein Privatverkauf mehr – das ist Spekulation, und die ist grundsätzlich steuerpflichtig.

Hier greift die sogenannte Spekulationsfrist. Verkaufen Sie einen Gegenstand innerhalb eines Jahres nach dem Kauf mit Gewinn, müssen Sie diesen Gewinn versteuern – allerdings nur, wenn der Gesamtgewinn aus allen privaten Veräußerungsgeschäften im Jahr über 1.000 Euro liegt. Diese Freigrenze wirkt wie ein Puffer für gelegentliche profitable Verkäufe.

Ein wichtiges Detail: Wenn Sie einen Gegenstand länger als ein Jahr besitzen, ist ein gewinnbringender Verkauf in der Regel steuerfrei. Das gilt beispielsweise für Sammlerstücke, Oldtimer oder Kunstwerke. Die Haltedauer ist also ein entscheidender Faktor.

Wann wird es gewerblich?

Die Grenze zum Gewerbe ist fließend und wird vom Finanzamt anhand verschiedener Kriterien geprüft: Nachhaltigkeit, Wiederholungsabsicht, Gewinnerzielungsabsicht und Außenwirkung. Wenn Sie regelmäßig neue Ware einkaufen, um sie weiterzuverkaufen, bewegen Sie sich im gewerblichen Bereich – auch wenn Sie das nur nebenbei machen.

Ein typisches Beispiel aus meiner Beratungspraxis: Jemand kauft regelmäßig limitierte Sneaker und verkauft sie mit Aufschlag weiter. Nach zehn erfolgreichen Verkäufen stuft das Finanzamt diese Aktivität als Gewerbe ein. Die Konsequenz: Gewerbeanmeldung, Umsatzsteuer und alle weiteren steuerlichen Pflichten.

Der „Steuer-ID“ Moment: Wann fragt PayPal nach?

Viele Nutzer erleben den Schock-Moment, wenn PayPal plötzlich den Zugriff auf das Konto einschränkt und die Eingabe der Steuer-Identifikationsnummer verlangt. Das passiert typischerweise in dem Moment, in dem Sie eine der beiden Schwellenwerte überschreiten.

PayPal ist nach dem PStTG verpflichtet, Ihre Steuer-ID zu erfassen, bevor die Meldung an das Bundeszentralamt erfolgt. Ohne diese Angabe kann PayPal die gesetzliche Meldepflicht nicht erfüllen. Die Folge: Ihr Konto wird eingefroren, bis Sie die geforderten Informationen nachreichen.

Wo finden Sie Ihre gemeldeten Daten?

PayPal stellt Ihnen diese Informationen transparent zur Verfügung. Gehen Sie zu: Einstellungen → Kontoauszüge & Steuerdokumente. Dort sehen Sie genau, welche Daten PayPal an die Behörden übermittelt hat. Sie können also nicht von einer Meldung überrascht werden – Sie haben jederzeit Einsicht.

Mein Tipp: Prüfen Sie diese Übersicht einmal im Jahr, am besten im Januar. So wissen Sie frühzeitig, ob und in welchem Umfang PayPal Daten übermittelt hat, und können Ihre Steuererklärung entsprechend vorbereiten.

Fazit: Keine Panik, aber Ordnung halten

Das Plattformen-Steuertransparenzgesetz richtet sich in erster Linie gegen professionelle Händler, die sich hinter privaten Accounts verstecken. Wenn Sie ehrlich nur Ihren Haushalt entrümpeln, müssen Sie sich keine Sorgen machen – selbst wenn PayPal eine Meldung abgibt.

Entscheidend sind drei Dinge: Dokumentieren Sie Ihre Verkäufe ordentlich. Bewahren Sie Kaufbelege auf, wenn es um höherwertige Gegenstände geht. Und seien Sie ehrlich zu sich selbst: Verkaufen Sie wirklich nur gelegentlich Privates, oder sind Sie bereits im gewerblichen Bereich unterwegs?

Die meisten Privatverkäufer bewegen sich auf der sicheren Seite. Aber falls Sie unsicher sind, ob Ihre PayPal-Gebühren Ihren Gewinn auffressen, oder wenn Sie wissen möchten, was nach Abzug aller Kosten tatsächlich bei Ihnen ankommt – dann lohnt sich ein Blick auf unseren PayPal Gebührenrechner. Transparenz schafft Sicherheit, und nur wer seine tatsächlichen Einnahmen kennt, kann fundierte Entscheidungen treffen.

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